10.05.17

Das Glück teilen

Darum gründen Menschen Stiftungen

Man muss kein Milliardär sein wie die SAP-Mitgründer Dietmar Hopp und Klaus Tschira, um seine eigene Stiftung zu gründen. Oder den ganz großen Lotto-Jackpot knacken. Auch schon ein bescheidener Reichtum, etwa durch einen kleineren Lotto-Gewinn genügt, um mit seinem Geld etwas Bleibendes zu schaffen. Einen Beitrag zu leisten für ein Anliegen, das einem am Herzen liegt.

Bei Albert Jonker war es die furchtbare Erfahrung, dass sein Enkel beinahe qualvoll an einer Erdnussallergie erstickt wäre. Er gründete daraufhin die Stiftung zur Behandlung von Erdnussallergien (http://www.bea-stiftung.com/). Sie fördert Mediziner, die nach Behandlungsmöglichkeiten für Erdnussallergien suchen, und leistet Aufklärungsarbeit, indem sie zum Beispiel Kindergärtner und Lehrer schult.

So wie Albert Jonker engagieren sich viele Stifter schon zu Lebzeiten und gestalten zusammen mit ihrer Familie die Stiftungsarbeit aktiv mit. Millionär muss man dafür nicht sein: Rund 70 Prozent der rechtsfähigen Stiftungen in Deutschland haben ein Stiftungskapital von weniger als 1 Mio. Euro, ermittelte der Bundesverband Deutscher Stiftungen (https://www.stiftungen.org/), 26 Prozent sogar weniger als 100.000 Euro – wobei 50.000 Euro die Untergrenze sind. Wer weniger hat, kann aber eine Treuhandstiftung gründen.

Und auch wenn laut der Stifterstudie 2015 der durchschnittliche Stifter ein Mann kurz vor dem Ruhestand ist: Die Stiftungslandschaft ist vielfältig, und neben dem klassischen Mäzen, der als Unternehmer zu Geld gekommen ist, findet sich eben auch die leitende Angestellte, die so gut verdient, dass sie mit einer eigenen Stiftung einen gesellschaftlichen Beitrag leisten will.

Überhaupt ist gesellschaftliches Engagement der wichtigste Grund für die Gründung einer Stiftung. 85 Prozent der Stifter haben sich schon vor der Stiftung gemeinnützig engagiert. Häufig sind Stifter “Nonkonformist Idealisten”, ergab die Stifterstudie 2015. Sie finden es wichtig, verantwortungsvoll mit ihrem Geld umzugehen. Warum sich goldene Wasserhähne einbauen lassen, wenn man mit dem Geld auch etwas Sinnvolles anstellen kann? Und sie legen großen Wert auf Leistung, sie wollen anpacken und erwarten das auch von anderen – etwa von der eigenen Familie, deren Erbe durch die Stiftung dezimiert wird. Manchmal werden Menschen auch nur deswegen zu Stiftern, um ihr Geld vor dem Zugriff verschwendungssüchtiger Familienmitglieder zu sichern, erzählen Nachlassverwalter hinter vorgehaltener Hand.

Wenn es denn überhaupt gesetzliche Erben gibt: Bei 28,5 Prozent der Stifter ist das nicht der Fall. 42,5 Prozent der männlichen Stifter haben keine Kinder, bei Stifterinnen sind es sogar 68,3 Prozent. Allerdings will mehr als jeder dritte Stifter das Anliegen an eine ihm nahestehende Person bewahren. Die “Rudolf Geißendörfer-Stiftung” etwa hat nichts mit dem Erfinder der “Lindenstraße” zu tun, sondern wurde von der Stifterin Ragnhild Niemeyer zu Erinnerung an ihren Vater, den Chirurgen Rudolf Geißendörfer errichtet, und fördert medizinische Wissenschaft und Forschung, vornehmlich im Bereich der Chirurgie.

Oft gilt die Stiftung dem Ehepartner, da gibt es dann zum Beispiel die “Marianne-und-Rudolf-Haver-Stiftung”, die Bildung und Kultur im Raum Oelde/Ostwestfalen fördert. Oder die “Horst-und-Käthe-Eliseit-Stiftung”. Sie fördert die Kulturforschung im asiatischen Raum, vornehmlich “auf dem Gebiet der Beziehungen und Beeinflussungen des Schamanismus und der vorbuddhistischen Bon-Religion Tibets, dem chinesischen Taoismus, dem Shintoismus Japans und dem koreanischen Schamanismus von der altkoreanischen Schamanentheokratie bis zu den modernen Praktiken der Mudang”.

Es sind eben nicht nur die großen gesellschaftlichen Anliegen, denen Stiftungen gewidmet werden. Oft spiegeln sich in ihnen auch Lebenswerk und Leidenschaften der Stifter wieder. Etwa in der “Rudolf Kaiser-Stiftung”, dessen Gründer Richter am Bundespatentgericht war und dann im Bereich der Experimentalphysik habilitierte – seine Stiftung vergibt jedes Jahr 35.000 Euro an einen herausragenden Nachwuchswissenschaftler in diesem Bereich. Oder der “Karl, Willy, Klaus und Annette Henk Stiftung” – sie fördert die Jugendarbeit im Sport-Club Charlottenburg (SCC), Stifter Klaus Henk wollte damit auch seinen Vater Karl und seinen Onkel Willy würdigen, die zur Gründergeneration des Vereins gehört hätten.

Natürlich bietet eine Stiftung auch handfeste Vorteile: Ein Stiftender kann das gestiftete Vermögen bis zu einer Summe von 1 Mio. Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren steuerlich in Abzug bringen. Bei zusammenveranlagten Ehepaaren verdoppelt sich die Summe. Allerdings gibt fast jeder zweite Stifter an, dass die Steuervorteile keine Rolle bei der Entscheidung gespielt hätten.

Was auch immer die Motivation: Wer stiften will – und das sind nach wie vor viele, 2016 stieg die Zahl der Stiftungen um 582 auf 21.806 – der sollte sich fachkundig beraten lassen, etwa beim Bundesverband Deutscher Stiftungen (https://www.stiftungen.org/stiftungen/basiswissen-stiftungen/stiftungsgruendung.html) oder beim Deutschen Stiftungszentrum (https://www.deutsches-stiftungszentrum.de/), das nach eigenen Angaben derzeit mehr als 650 rechtsfähige und nichtrechtsfähige Stiftungen mit einem Gesamtvermögen von über 2,9 Milliarden Euro betreut.

Fehlt eigentlich nur noch eine Idee. Und vielleicht ein bisschen Glück beim nächsten Lotto-Tipp.


Annika

Annika

In der bunten Lotto-Welt kennt sich Annika aus wie in ihrer eigenen Westentasche. Neue internationale Lotterien bei Tipp24? Neue Funktionen? Aktuelles zum Thema Lotto aus der ganzen Welt? Annika hat die Infos und erklärt hier im Tipp24-Magazin, wie der Hase läuft und was die Welt der Lotterien Neues zu bieten hat. Mehr von Annika …


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